Es sollte eigentlich eine der vielen Jahrhundertreform werden. Doch es ist wie so häufig in der Politik: Union und SPD haben sich gegenseitig blockiert. Die Pflegereform kommt nicht
voran. Auch wenn die große Koalition sich nach langen Verhandlungen auf Verbesserungen für Demenz-Kranke geeinigt hat und, durch eine Anhebung der
Beitragssätze, höhere Zuschüsse für die ambulante Pflege gezahlt werden sollen ist die Finanzierung der Pflegeversicherung auf Dauer alles andere als
gesichert. Die große Koalition spielt in bedenklicher Weise auf Zeit. Doch die Demographie ist unerbittlich: Schon bald werden wir vor sehr viel größeren Herausforderungen
bei der Pflege älterer Menschen stehen. Alles Wissenswerte zum Thema Pflegeversicherung lesen Sie auf den folgenden Seiten in diesem Dossier.
ZUM THEMA: PFLEGEVERSICHERUNG

LEITARTIKEL
CDU und SPD haben beschlossen, dass der Beitrag zur Pflegeversicherung ab dem 1. Juli 2008 um 0,25 Prozent steigt. Damit bekommen die Pflegekassen jährlich 2,5 Mrd. € mehr -
vor allem auch für die Pflege altersverwirrter Menschen.
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PROGNOSE
Die Zahl der Hochbetagten wird bis 2050 auf bis zu zehn Millionen anwachsen. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das Professor Reinhold Schnabel von der Universität
Duisburg-Essen über "Die Zukunft der Pflege" für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft angefertigt hat.
RÜCKBLICK
Sie wurde gegen den massiven Protest vieler Experten 1995 eingeführt. Heute steht fest: Die Kritiker von einst haben Recht behalten. Die umlagefinanzierte Pflegeversicherung
stößt an ihre Grenzen. Ohne Reform wird die Pflegeversicherung schon bald in erhebliche finanzielle Probleme geraten.
FAKTEN
Jeder Bürger ist pflegeversichert. Während die private Pflegeversicherung jedoch leistungsorientierte Prämien erhebt und für die Versicherten damit auch
Altersrückstellungen bildet, finanziert sich die Soziale Pflegeversicherung nach dem Umlageverfahren.
AUSBLICK
Das umlagefinanzierte Versicherungssystem stößt in einer immer weiter alternden Gesellschaft an seine natürlichen Grenzen. Auf der Einnahmeseite schrumpft die Zahl der
Beitragszahler, auf der Ausgabenseite steigt hingegen die Zahl derjenigen, die Leistungen in Anspruch nehmen.
Reform
Die Bürger kommt die Unfähigkeit der Politik, sich auf eine Reform der Pflege zu einigen, teuer zu stehen. Jeder Tag, an dem die notwendige Reform weiter verschleppen werden,
kostet den Beitragszahler 29 Millionen Euro.
EUROPA
In vielen Ländern der
Welt altert die Bevölkerung zunehmend. Vor den größten Herausforderungen stehen neben Japan die Länder Europas. Einer Prognose zufolge wird im Jahr 2050 Japan den höchsten
Anteil älterer Menschen haben, gefolgt von Slowenien, Spanien, Italien, Litauen, Griechenland und weiteren EU-Staaten.
MEHR ZUM THEMA
Positionen
Im Koalitionsvertrag ist alles klar geregelt und die Richtung vorgegeben. Doch in der politischen Praxis der großen Koalition wird in Berlin immer noch um Grundsätzliches gestritten.
Schafft Rot-Schwarz den Einstieg in die kapitalgedeckte Pflegeversicherung oder droht ein ähnliches Debakel wie in der Gesundheitsreform?
REFORM
Wer eine langfristig sichere Lösung bei der Finanzierung der Pflegeversicherung anstrebt, muss sich vom umlagefinanzierten Modell verabschieden. Anders kann er der demografischen
Herausforderung nicht gerecht werden und vermeidet, durch höhere Beiträge die Arbeitskosten weiter zu verteuern.
Markt
Wachstumsmarkt Gesundheitswesen: Wo sich früher vorwiegend gemeinnützige Träger tummelten, dringen inzwischen immer mehr private Anbieter auf den Markt. Studien über die
voraussichtliche Zunahme pflegebedürftiger Menschen lassen die Branche mit einem rasanten Anstieg der Nachfrage rechnen.