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Grundeinkommen
Zum Thema Grundeinkommen

Leitartikel
Oft sind die einfachsten Ideen am verführerischsten. Wäre es nicht wunderbar, wenn der Staat alle Sozialleistungen streichen und stattdessen jedem einzelnen Bürger monatlich ein
Grundgehalt von 1000 Euro auszahlen würde? Was wie ein Hirngespinst klingt, ist mittlerweile ein Vorschlag mit politischer Sprengkraft geworden. Befürworter eines Grundeinkommens
finden sich bei der PDS, den Grünen, in der Wissenschaft und bei der CDU.
MODELLRECHNUNGEN
Ob Schuhputzer oder Millionär, ob Student oder Arbeitsloser - jeder Bürger in diesem Land soll pro Monat 625 bis 1.500 Euro vom Staat als Bürgergeld bekommen, wenn es nach den
Vorstellungen einiger Sozialpolitiker geht. Wie ein solches System finanziert werden kann, dazu gibt es zwar Vorschläge. Ob das alles in der Praxis aber auch durchführbar ist,
weiß niemand.
SACHVERSTÄNDIGENRAT
Anfang November legte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein Jahresgutachten vor. Das vierte Kapitel widmet sich ausführlich der "Forderung
nach einem bedingungslosen Grundeinkommen als Patendösung für die wirtschaftlichen, demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen".
EINE FRAGE DER ETHIK
Die Debatte über ein Grundeinkommen für jedermann hat in Deutschland spätestens seit dem letzten Parteitag der Grünen und dem Ausscheiden von Oswald Metzger wieder an Fahrt
aufgenommen. Viele Menschen fasziniert der Gedanke, ohne jede Bedingung vom Staat Geld zum Leben zu erhalten, und so die Freiheit zu erlangen, nur zu arbeiten, wenn es ihm gefällt.
DIETER ALTHAUS
Der Ministerpräsident von Thüringen ist Befürworter eines Grundeinkommens. Er begründet dies damit, dass unser heutiges Sozialversicherungssystem nicht mehr
zukunftsfest ist. Nur ein Systemwechsel könne hier Abhilfe leisten. Wie der aussehen kann hat Dieter Althaus auf der INSM-Konferenz "Gerechte Generationenverträge" erklärt.
Michael Opielka und Thomas Straubhaar
Eine "sozialpolitische Revolution" nennt der Sachverständigenrat das Konzept des Solidarischen Bürgergeldes in seinem Jahresgutachten 2007/2008.
Thomas Straubhaar
Obwohl Frauen im Durchschnitt besser ausgebildet sind als Männer, sind sie auf dem Arbeitsmarkt immer noch benachteiligt. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit sowie in schlechter bezahlten
Berufen. Frauen leisten nach wie vor den überwiegenden Teil der Familienarbeit. Ihr Armutsrisiko ist höher als das von Männern - sei es als Alleinerziehende, Geringverdienerin oder
Rentnerin. Das heutige Sozialsystem ist immer weniger geeignet, die zunehmenden Lebensrisiken insbesondere von Frauen ausreichend abzusichern. Inwieweit könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen
dazu beitragen, die Situation von Frauen nachhaltig zu verbessern?