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INSM Dossier: Gesundheit

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Mut zu mehr Eigenverantwortung und Wettbewerb

Eine nachhaltig wirksame Gesundheitsreform müsste den Leistungskatalog der GKV auf eine Grundversorgung reduzieren und die Bürger zu mehr individueller Vorsorge  verpflichten. Nur durch mehr Wettbewerb und mehr Eigenverantwortung kann der drohende finanzielle Infarkt verhin¬dert werden. Das Konzept der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

INSM-Dossier Gesundheit: Kinder beim Essen

Unser Gesundheitswesen braucht dringend eine wirksame Therapie. Ohne tief greifende Reformen lässt sich ein weiterer drastischer Anstieg der Ausgaben und der Beiträge nicht verhindern. Nur durch mehr Wettbewerb und mehr Eigenverantwortung können das Kosten-Nutzen-Verhältnis verbessert und der drohende finanzielle Infarkt verhin­dert werden. Der Teufelskreis aus steigenden Beitragssätzen und steigender Arbeitslosigkeit muss endlich durchbrochen werden.    

Die Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft" hat aufgezeigt, wie eine nachhaltige Reform des deutschen Gesundheitssystems aussehen könnte.

Unser Konzept zeichnet sich insbesondere durch folgende Elemente aus:

  • Der Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung sollte auf eine Grundver­sorgung reduziert werden, die nur das medizinisch Notwendige umfasst. Für darüber hi­nausgehende Leistungen sollte es den Bürgern freigestellt werden, private Zusatzversiche­rungen abzuschließen. Der einzelne Bürger kann dann eigenverantwortlich entscheiden, ob er eine "Vollkasko-Versicherung" wählt oder ob er selbst Risiken trägt und entspre­chend geringere Beiträge entrichtet.
  • Die Vorsorge gegen Krankheiten wird durch die Kombination von kollektiver umlagefinanzierter Absicherung und indi­vidueller Zusatz­vorsorge auf zwei Säulen gestellt. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ermittelt, dass die ge­setzlichen Krankenkassen durch die Begrenzung der Pflichtleistungen jährlich um rund 24 Milliarden Euro entlastet werden können. Der Beitragssatz lässt sich so um mehr als zwei Prozentpunkte senken.
  • Das Kosten- und Gesundheitsbewusstsein der Versicherten muss gestärkt werden. Dazu ist die Selbstbeteiligung der Patienten auszuweiten. Um eine finanzielle Überforderung der Versicherten zu vermeiden, können Obergrenzen für die Zuzahlungen festgelegt wer­den, etwa in Form eines maximalen Anteils am Einkommen oder eines Höchstbetrags pro Jahr. Zudem sollten Beitrags­rückerstattungen für Versicherte ermöglicht werden, die keine oder nur geringe Leistun­gen in Anspruch nehmen.
  • Die kollektive Pflichtversicherung sollte durch eine Versicherungspflicht ersetzt werden. Alle müssen sich versichern, sind in der Wahl des Versicherungsunternehmens aber frei. Unter Wettbewerbsbedingungen werden sich die Krankenkassen unternehmerischer ver­halten. Ihr Leistungsspektrum wird sich mehr an den individuellen Bedürfnissen der Ver­sicherten orientieren. Es wird zu einer Differenzierung der Leistungsangebote und der Beitragssätze kommen. Die Instrumente zur Kostensenkung werden unter Wettbewerbs­bedingungen besser ausgeschöpft.
  • Den Krankenversicherungen sollte die Möglichkeit eingeräumt werden, mit einzelnen Ärzten und Krankenhäusern Verträge abzuschließen. Auf diese Weise können die Kassen mit verschiedenen Anbietergruppen eigene Honorierungsformen und Leistungspakete entwickeln, über die sich die Kosten senken lassen. Die Krankenkassen treten dann nicht nur mit den Tarifen, sondern auch mit der Qualität der Leistungen in den Wettbewerb.
  • Die Qualitätssicherung und die Wirtschaftlichkeit sind zu verbessern. Über-, Unter- und Fehl­versorgung können durch präzise Behandlungsleitlinien verhindert werden. Die Ver­zah­nung zwischen Haus- und Facharzt sowie zwischen ambulanter und stationärer Versor­gung sollte intensiviert werden. Unwirtschaftlichkeit und Mehrfachbehandlungen lassen sich auch durch eine bessere Datentransparenz vermindern, etwa durch eine Patienten-Chipkarte, auf der Krankheitsbilder, Behandlungen und Medikamente gespeichert werden.
  • Bemessungsgrundlage des Versicherungsbeitrags sollte nicht länger allein das Arbeitseinkommen sein. Denn die Höhe des Arbeitseinkommens ist kein geeigneter Indikator mehr für den Wohlstand der Versicher­ten, da eine steigende Zahl der Haushalte andere Einkünfte in beträchtli­cher Höhe erzielt. Die Gleichbehandlung der Versicherten und die Wahrung des Solidari­tätsprinzips gebie­ten, alle Einkünfte in die Bemessungsgrundlage der gesetzlichen Kran­kenversicherung einzubeziehen, also etwa auch Einkünfte aus Kapital, Vermietung und Verpachtung. Kei­nesfalls darf die Neuordnung der Bemessungsgrundlage aber mit einer Erhöhung der Bei­tragseinnahmen der Krankenkas­sen zur Finanzierung zusätzlicher Leistungen verbunden sein. Die Zugrundelegung des Gesamteinkommens muss vielmehr genutzt werden, um die Bei­tragssätze zu senken. Die negative Wechselwirkung zwischen steigenden Gesundheitsaus­gaben und höherer Ar­beitslosigkeit lässt sich auf diese Weise vermindern.      

Abschied vom kontraproduktiven Herumdoktern  

Nur durch mehr Wettbewerb und mehr Eigenverantwortung können das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Gesundheitssystems verbessert und der drohende finanzielle Infarkt verhin­dert werden. Die Zutaten für eine nachhaltig wirksame Reform sind bekannt. Die Politik muss nur entschlossen handeln und Abschied nehmen von dem kontraproduktiven Herumdoktern am bestehenden System.

Kommentare anderer Nutzer

23.12.2008 | Borrible
19 Jahre arbeite ich nun im Gesundheitswesen.In Krankenhaus,Arztpraxis und Krankenkasse.Wenn es einen maßgeblichen Kostentreiber gibt im Gesundheitswesen, dann ist es die Meinung der Bevölkerung, jede Reparatur ihres vorher selbst versaubeutelten Lebens hinterher finanziert bekommen zu müssen. Alles andere leitet sich davon ab. Der Dialysearzt lebt zur Hälfte von Diabetesgeschädigten.Einer Zivilisationskrankheit, die zum größten Teil auf jahrzehntelanger schädigender Lebensweise beruht. Der Kardiologe ebenso. Die Pharmafirmen leben davon und von dem Voodoglauben der Patienten, das teuerste sei das beste. Ich könnte die Liste seitenweise fortsetzen. Wer bestellt, soll auch zahlen. Ich jedenfalls würde es vorziehen, mehr Geld für die Erziehung meiner Kinder ausgeben zu können, als für die Behandlung adipöser Blutdruckkranker weggenommen zu bekommen.
28.11.2008 | d.lite
Reformvorschläge wie dieser werden momentan häufig aufgelegt und kommen von verschiedenen Akteuren. Man sollte sehen, dass auch andere Ideen breit kommuniziert werden, sonst wird es tatsächlich so kommen: Die Beiträge bleiben genau so hoch wie heute, nur die Leistungen weden eingeschränkt. Zusätzlich sollen die privaten Haushalte Milliarden aufbringen, um die entstandenen Marktstrukturen zu versorgen. Letztlich hat niemand eine Wahl: Wer kein Geld hat, wird eben minimal versorgt, alle anderen werden im Fall der Fälle investieren, um ihre Heilungswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Es wird Zeit, dass wir die Einzelinteressen endlich aus den Solidarsystemen vertreiben. Es weden sich genug Kliniken, Ärzte und Pharmaunternehmer finden, die mit den Milliarden, die wir aufbringen gut genug leben können. Alle anderen sollten sich einfach einen anderen Absatzmarkt oder eine andere Branche suchen und einsehen, dass das Gesundheitssystem kein "normaler" Markt ist.
2.6.2008 | R Hoffmeister
Diese neo liberalen Vorschläge bewirken zu mindestens Eines: Das Geld bleibt da wo es bereits ist. Ich bin durchaus bereit mehr Verantwortung zu übernehmen, aber bei meinen Einkünften bin ich froh, wenn ich über den Monat komme. Dabei lebe ich in privilegierten Verhältnissen, im Vergleich zu meinen Mitkom- militonen. Ich bin schwer chronisch Krank und alleine meine reduzierten Zuzahlungen schmälern mein Budget erheblich. Ich frage mich wie hoch die Einkommen von denen sind, die sich diese Konzept erdacht haben. Wenn das Einkommen hoch genug ist, ist es ein Leichtes in unser neo liberalen Markt- und Gesellschaftsordnung sich zu behaupten. Alle anderen schaffen es ja kaum sich oder ihren Kindern eine ausreichende Bildung zu ermöglichen, das wäre allerdings die Grundlage, um in ihren neo liberalen Gedankenspiel, mehr Verant- wortung zu übernehmen. Aus den letzten 20 Jahren sollten wir gelernt haben, dass der neo Liberalismus versagt hat. Solidarität wirkt in ihrem Kontext als Worthülse.
23.3.2008 | Normalo
Super!Bei sinkendem Realnettolohn seit Jahren, Horrorgebühren für Kita und Hort für 4 Kinder und steigenden Preisen für Elementargüter wie Strom, Sprit und Milch werden wir als Durchschnittsverdiener zu mehr Eigenverantwortung aufgerufen. Wissen die Verantwortlichen eigentlich was bei wirklich bescheidener Haushaltsführung für Normalos am Ende des Monats noch übrig bleibt vom Geld? Wo sollen die denn das Geld hernehmen für ne Zuzahlung zur neuen Hüfte, oder für die lebenserhaltene Chemo?! Vom breiten Mittelstand , der ohnehin schon am Wegbrechen ist, wird doch schon am meisten abgeschöpft.Außerdem sind wir wohl kaum Schuld an den politischen Versäumnissen der Vergangenheit bezüglich des demographischen Problems, Hauptverursacher des ganzen Dilemmas in Deutschland. Hierzulande gilt: Entweder richtig reich oder Hartzi sein, alles dazwischen wird vom Staat ausgepreßt wie eine Zitrone, ohne Gegenleistung versteht sich.
12.2.2008 | R.
Klingt ja alles super,aber ich habe Multiple Sklerose,dafür kann ich nichts.Jetzt soll ich aber dazu zahlen und derjenige der gesund ist und arbeiten kann bekommt was wieder. das ist ungerecht ichwäre gerne gesund undwürde super gern arbeiten können,und nur weil das schicksal mir übel mitgespielt hat, werde ich bestraft.na wenn sie das als sozial erachten,für mich klingt das dissozial!
15.1.2008 | Arno
Volle Zustimmung.
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