Meine sehr geehrten Damen und Herren,
im Namen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft darf ich Sie herzlich zur Preisverleihung "Reformer des Jahres" willkommen heißen. Besonders begrüßen möchte ich neben dem
Laudator und Reformer des Jahres 2003, Professor Dr. Paul Kirchhof, den heutigen Preisträger, Herrn Friedrich Merz.
Wir freuen uns, dass wir nach der erstmaligen Vergabe der Auszeichnung im vergangenen Jahr auch diesmal wieder gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine Persönlichkeit
auszeichnen können, die sich in besonderer Weise um den
Strukturwandel in der Bundesrepublik verdient gemacht hat. Der Reformmotor ist im Jahr 2004 zum Glück nicht abgewürgt worden,
auch wenn er gelegentlich ins Stottern geraten ist.
Was hat sich im Vergleich zum Vorjahr verändert? 2003 war das Jahr der Reform-Ankündigungen. 2004 ist das erste Jahr der Reform-Umsetzung. Die Regierung hat die
Agenda 2010 in Gesetze
gegossen und musste darauf achten, dass sie in den eigenen Reihen nicht die notwendige Unterstützung verlor. Die Opposition wiederum versuchte, den Reformeifer der Regierung zu übertreffen
und fand dabei allerdings nur teilweise die Zustimmung der Wähler. Es ist also insgesamt nicht leichter geworden in diesem Jahr für die Reformer in Deutschland. Dennoch: Jetzt liegen viele
Reformthemen auf dem Tisch, die lange, allzu lange darunter versteckt wurden.
Und was noch wichtiger ist: Viele politische Ansätze und Vorschläge weisen inzwischen in die richtige Richtung. Und die politische Diskussion ist in Gang gekommen, sei es in der Arbeits-
und Sozialpolitik, im Bildungswesen oder in der Haushaltspolitik. Und es wird immer klarer, dass der Rückwärtsgang nicht mehr eingelegt werden kann, auch wenn einige immer noch auf die
Bremse treten.
Gewiss, es gibt auch erste Zeichen von Reformmüdigkeit. Die Mehrheit der Bürger in Deutschland ist jedoch, wenn es um die Sache geht, durchaus nicht reformmüde. Ihnen fehlt nur
häufig das Vertrauen in das Gelingen. Das Wort "Reform" hat für viele inzwischen leider einen negativen Klang bekommen. Eine überzeugende "Reformdividende" zeichnet sich für
viele noch nicht klar ab. Das Kommunikationsdefizit bei der Arbeitsmarktreform
Hartz IV hat hierzu sicher beigetragen.
In dieser Situation sind in Politik und Wirtschaft umso mehr Persönlichkeiten gefragt, die glaubwürdig für die notwendigen Veränderungen eintreten und diese den Menschen
erklären können.
Die von der Jury Nominierten haben - jeder auf seine Art - dazu beigetragen, dass trotz des mangelnden Reformvertrauens Bewegung in die Republik gekommen ist. Sie haben sich mit Engagement in diesen
Prozess eingebracht. Sie haben Mut bewiesen und auch Mut gemacht. Ihr Engagement ist ein Grund zum Optimismus, dass der Wagen Bundesrepublik nicht zwangsläufig auf eine Wand zurast. "Und sie
bewegt sich doch!" möchte man da frei nach Galileo Galilei die Lage der Republik kennzeichnen.
Der Titel "Reformer des Jahres" wird in Anerkennung dieser Leistungen vergeben. Eine für notwendig erachtete Debatte anzustoßen, die gerade in diesen Zeiten auch unbequeme Wahrheiten
enthält, ist harte
Arbeit. Wem dies gelingt, der hat Respekt verdient - unabhängig vom politischen Lager. Unter den Nominierten, die gleich vorgestellt werden, gibt es dafür einige
gute Beispiele.
Die heutige Veranstaltung soll deshalb auch ein Signal der Ermutigung an all diejenigen senden, die in ihrem Reformeifer nicht nachlassen und damit dazu beitragen, Deutschland wieder
zukunftsfähig zu machen.
Die Lorbeeren sollen dabei aber eher Antriebsstachel als Ruhekissen sein. Reformbedarf gibt es nach wie vor in fast allen Bereichen: Die
Steuerreform wartet auf Umsetzung, die Sozialsysteme sind
alles andere als schon zukunftsfest; und das deutsche Bildungswesen ist immer noch durchschnittlich. Auf dem
Arbeitsmarkt werden positive Impulse durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und
Sozialhilfe erwartet. Um dauerhaft mehr
Beschäftigung zu schaffen, sind aber weitere Schritte nötig, wie etwa eine gründliche Entschlackung des Arbeitsrechts.
Besonders der anstehende Bundestagswahlkampf lässt jedoch befürchten, dass die Reformanstrengungen eher nachlassen werden. Die Politik täte den Wählern damit jedoch keinen guten
Dienst. Die Bürger brauchen klare Zielsetzungen und Visionen, um sich auf die notwendigen Veränderungen einstellen zu können - und nicht Reparaturmaßnahmen bis zum nächsten
Wahltermin.
Ich wünsche uns allen in Deutschland, meine sehr geehrten Damen und Herren, deshalb sehr, dass wir diese Veranstaltung im kommenden Jahr nicht mangels geeigneter Nominierungen absagen
müssen!
Schon in diesem Jahr fiel der Jury die Auswahl der "Blockierer des Jahres" leichter. Hierzu und zum Abstimmungsverfahren der Wahl wird Ihnen nun Dr. Rainer Hank von der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung noch einiges erläutern. Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und gebe das Wort an Herrn Dr. Hank.