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Aktuelle Interviews:
mit Christa Stewens und Petra Kabisch, 10.10.2006, "Die Abgabe von Macht rührt natürlich an Ängste der
Männer..."
mit Dr. Hannes Blum, 04.07.2006, "Wer als Gründer erfolgreich sein will, muss Spaß an der Sache haben."
mit Staatsministerin Hildegard Müller, 09.06.2006, "Weniger Bürokratie schafft mehr Freiräume"
mit Dr. Welf Böttcher, 05.05.2006, "Deutschland muss möglichst lange im Spiel bleiben!"
mit Prof. Dr. Maria Böhmer, 27.04.2006, "Zukünftiger Fachkräftemangel erfordert wirksame berufliche Förderung von jungen
Frauen"
mit Max A. Höfer, 12.04.2006, "Wir sind keine Lobbyisten"
mit Birka Schmittke, 28.03.2006, "Leistung bringt Anerkennung"
mit Dieter Weidemann, 10.03.2006, "Zum Konsolidieren muss auch Sparen gehören"
mit Anja Hoffmann und Ursula von der Leyen, 08.03.2006, zum Weltfrauentag
mit Roland Koch, 06.03.2006 "Arbeit muss billiger werden"
mit Armin Hary, 17.02.2006: "Ich möchte den Ehrgeiz wecken"
mit Prof. Bernd Raffelhüschen, 27.01.2006: "Wenig Hoffnung auf Gesundheitsreform-Kompromiss"
mit Prof. Dr. Christoph Markschies, 12.01.2006: "Wir brauchen mehr Phantasie!"
Weitere Interviews des Jahres 2005
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27.1.2006 - Der Freiburger Finanzwissenschaftler und INSM-Botschafter Professor Bernd Raffelhüschen hat wenig Hoffnung, dass die Große Koalition zu Reformfortschritten in der Gesundheitspolitik kommt. "Es ist sehr schwierig sich einen Kompromiss in der Gesundheitspolitik zwischen Kopfpauschale der CDU und Bürgerversicherung der SPD vorzustellen", erklärte Raffelhüschen in einem Interview mit dem "Westfalen-Blatt".
Pensionären stehen Nullrunden bevor. Die Wirtschaftsentwicklung und die Vergreisung der Gesellschaft lassen dem Gesetzgeber keine andere Wahl als auch die Renten zu reduzieren. Länger
arbeiten und weniger Geld im Alter heißt die Marschrichtung. Auch das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Prof. Bernd Raffelhüschen (49), Finanz- und Rentenexperte der Uni Freiburg,
gehört dem "Club für deutliche Aussprache" an und nennt die Fakten - anders als viele in der Politik - beim Namen. Deshalb ist er Mitglied in Regierungskommissionen und gern gesehener Gast
in Talkshows und TVPolitiksendungen. Am Rande seines Besuches beim Finanz-Forum der Sparkasse Höxter in Brakel sprach jetzt WESTFALEN-BLATT-Redakteur Michael Robrecht mit Prof. Bernd
Raffelhüschen.
Robrecht: Professor Raffelhüschen, seit dem Herbst 2005 regiert in Berlin eine Große Koalition. Die Zusammenarbeit der großen Parteien CDU und SPD wäre doch
eine Riesenchance für den berühmten mutigen Ruck durch Deutschland?
Prof. Raffelhüschen: Das sehe ich etwas abgeklärter. In manchen Teilen ist die Große Koalition älter als man denkt. Sie war schon vorher da - wenn man sich die
Zusammenarbeit bei der Rentenversicherung ansieht. In anderen Teilen ist sie jung. Und da könnte man jetzt Mut erwarten. Es ist aber sehr schwierig sich einen Kompromiss in der
Gesundheitspolitik zwischen Kopfpauschale der CDU und Bürgerversicherung der SPD vorzustellen. Da bin ich nicht sehr hoffnungsfroh, dass da große Kompromisse zustande kommen. In den
Feldern, wo Feuer und Wasser ist, da wird in der Großen Koalition eher liegen gelassen.
Robrecht: In dieser Woche sind Sie bundesweit in allen Medien mit der Forderung zitiert worden, jeder Bürger zwischen 30 und 50 Jahre sollte sieben Prozent seines Einkommens an
die Seite legen, um seinen Lebensstandard im Alter halten zu können. Wo sollen die Menschen das Geld bei steigenden Verbraucherpreisen denn hernehmen?
Prof. Raffelhüschen: Wenn man wenig verdient, dann ist sieben Prozent von wenig auch wenig. Eine Sparquote von sechs oder sieben Prozent kann man schon abverlangen. Der Mensch,
der 100 Prozent für Konsum ausgibt, der macht etwas falsch. Die Sparquote der Generation der heutigen Rentner lag im Regelfall zwischen 12 und 13 Prozent. Die Quote bei den 30- bis
50-Jährigen war zuletzt stark abgesackt. Die Kritik klingt nicht danach, als ob wir uns Sparen nicht leisten können: Die ärmeren Schichten heute sind deutlich reicher als die
ärmeren Schichten damals. Wir jammern auf einem sehr hohen Niveau - selbst die Ärmeren.
Robrecht: Muss sich da nicht auch die Mentalität der Deutschen ändern? Bei vielen Menschen besteht immer noch ein großes Anspruchsdenken.
Prof. Raffelhüschen: Schauen Sie sich doch die Patchwork-Biografien an, wo manche Leute ihre Weltreise auf die Rente angerechnet haben wollen. Aber diese Suppe werden wir diesen
Herrschaften gründlich versalzen.
Robrecht: Wenn Sie ungeschminkt Wahrheiten aussprechen, fühlen Sie sich nicht oft wie der einsame Rufer in der Wüste?
Prof. Raffelhüschen: Ich bin halt kein Politiker. Ich werde nicht wegen dem Überbringen einer schlechten Botschaft geschlachtet. Ich mache das aus wissenschaftlichen
Motiven heraus. Ich bin Statistiker, jemand der rechnet. Ich kann nun mal nichts dafür, dass eins plus eins zwei ist. Wenn ich Politiker wäre, würde ich aber nicht so reden, wie ich
jetzt rede. Als Politiker könnte ich die Dinge nicht beim Namen nennen. In dem Moment wäre ich ja auch abhängig davon, dass mich jemand wählt. Wir haben ja Belege dafür, dass
die Überbringer einer schlechten Botschaft geschlachtet wurden, das war nicht nur im alten Griechenland so, sondern auch in der jüngsten deutschen Vergangenheit. Einen vollkommen ehrlichen
Politiker wird es deshalb wahrscheinlich so schnell nicht geben, es sei denn man wählt ihn...
Robrecht: Wenn Sie mit Blick auf die politische und wirtschaftliche Lage drei Wünsche frei hätten, wie würden diese lauten?
Prof. Raffelhüschen: Ein erster großer Wunsch wäre, dass man sich klar macht, in der "Gesundheit" steckt ein Generationenvertrag. Mein Wunsch ist, dass das in der
Bevölkerung deutlicher wird. Denn wenn die Bürger wissen würden, dass ein Generationenvertrag vorliegt, dann würde sie auch erkennen, dass da die selben Reformen fällig sind
wie bei der Rente. Ein zweiter Wunsch an die sozialen Sicherungssysteme wäre, dass man die Pflegeversicherung abschafft. Der dritte Wunsch ist, dass wir unseren Arbeitsmarkt in den Griff
bekommen. Wir müssen unsere Arbeit billiger machen!
Zur Person: Prof. Raffelhüschen
Bernd Raffelhüschen (geboren 1957 in Niebüll/Nordfriesland) ist Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau und Professor II an der
Universität Bergen (Norwegen). Gleichzeitig wirkt er als Mitglied des Vorstandes der Stiftung Marktwirtschaft, Berlin. Seit Juli 2001 befindet sich der Sitz der Stiftung in Berlin.
Einer seiner thematischen Schwerpunkte sind die Systeme der Sozialen Sicherung. Bernd Raffelhüschen ist ein Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Er wirbt für eine
Ablösung der solidarischen, umlagefinanzierten Rente durch eine kapitalbasierte, privatwirtschaftliche Rente. Als Mitglied von Kommissionen (Rürup) und durch TV-Interviews und Talkshows
(ARD "Christansen") ist er als Rentenexperte einem breiten Publikum bekannt.
Quelle: Westfalen-Blatt